4. Februar 2018

Risikobewertung

Eine Risikobewertung kann an zwei Punkten wichtig sein. Zum einen vor Einführung eines Prozesses und zum anderen dann, wenn ein Konflikt offen zutage tritt. Bei der Risikoabschätzung handelt es sich um das Beschreiben von Potentialen, die zu Konflikten führen können. Zum Einen lassen sich einige „Konfliktherde“ im Vorfeld bereits erkennen und zum Anderen sensibilisieren wir uns selbst auf potentielle Konfliktfelder. Selbst wenn nichts passiert, haben wir diese aber im Auge.

Risikoabschätzung:
Keiner kann in die Zukunft schauen. Aber es lassen sich Hinweise finden, die auf Konfliktpotentiale in der Zukunft schließen lassen. Am Ende müssen die richtigen Fragen gestellt werden, um eine Risikoabschätzung durchführen zu können. Dabei schauen wir in die Prozesse hinter den „offensichtlichen“ Risiken. Es ist zum Beisiel möglich, über Datenanalysen Prozessmuster zu finden, bei denen wir wissen, welche Konsequenzen sie nach sich ziehen können. Dabei blicken wir auf die ganze Wertschöpfungskette und nicht nur auf die Kontexte, die durch neue Prozesse direkte und sichtbare Veränderung  erfahren. Einen kleinen Einblick, wie wir selbst Smart Data und  Datenanalytik im Bereich der Mediation einsetzen können, finden Sie unter diesem Link.

Bei der Risikoanalyse schauen wir auf den vorhandenen Konflikt und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben können. Ganz besonders ist hier der Blick auf die Konfliktbearbeitung durch Gerichte und Anwälte.

Beispiel 1:
Ein IT Dienstleister als Vertragspartner erfüllt seine vertraglich zugesicherte Leistung nicht – sagen wir zum Beispiel die Vernetzung von 5 CAD CAM Stationen oder Ihre Büro IT. Sie verklagen ihn. Oder Sie zahlen nicht und der IT Dienstleister verklagt Sie. Neben der Sachlage fühlen Sie sich hintergangen.

Die Fragen zur Risikoanalyse: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit nach dem Prozess? Brauche ich einen neuen Dienstleister? Was würde das Kosten? Was müsste alles umgestellt werden? Wie diskret bleibt das Ganze? Wie lange dauert ein Prozess? Wie viel kostet der Prozess (inklusive Ausfallzeit der Systeme)? Können die Aufträge abgewickelt werden? Werde ich den Prozess gewinnen? (Was antwortet der Anwalt: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand)? Und wenn ich gewinne – ist mein Problem gelöst?
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Beispiel 2:
Sie haben neue Maschinen mit Datenerfassung im Produktionsprozess eingeführt. Die Anlage läuft aber nicht wie gewünscht. Die Produktion läuft auf halber Kraft, weil die Anlage nicht auf volle „Leistung“ kommt. Der beauftragte IT Dienstleister, gemeinsam mit dem amerikanischen Anlagenbauer erklärt Ihnen, dass auf Seite der Anlage „alles super“ ist. An den Maschinen liegt es nicht. Möglicherweise liegt es an der Schnittstelle zu anderen IT Komponenten, die andere installiert haben? Oder Ihre eigenen Leute machen da was falsch…..Da kann Ihr IT Dienstleister „leider nichts machen“.

Fakt ist. Die Anlage läuft auf halber Kraft und kostet Ausfallzeit. Aufträge sind nicht erfüllbar. Konventionalstrafen drohen. Sie haben die halbe Anlage bereits bezahlt und halten die zweite Zahlung zurück. Sie möchten nun Ihren IT Dienstleister auf Vertragserfüllung verklagen. Dieser hat wiederum einen Vertrag mit dem Anlagenbauer geschlossen. Sie haben das Gefühl, man will Sie absichtlich desorientieren um die Sache auszusitzen.

Die Fragen zur Risikoanalyse: Verklagt der IT Dienstleister möglicherweise den Anlagenbauer? Wo sitzt der (USA)? Wo klage ich? Wo klagt der IT Dienstleister? Ist möglicherweise die Software als zugekaufte Komponente das Problem? Wer ist der Hersteller? Sitzt der in Indien?

Was glauben Sie? Wie lange wird ein Prozess dauern? Wie viel wird er kosten? (die Kosten der Maschinenausfallzeit über die Prozessdauer mitberechnen)? Hält der IT Dienstleister das finanziell durch? Und wenn Sie Ihren Anwalt fragen: „Wie sicher ist es , dass ich gewinnen werde?“ dann kennen Sie die Antwort bereits aus Beispiel 1. Selbst wenn Sie den Prozess gewinnen – am Ende haben Sie die Schuldigen, aber keine Lösung.

Warum also außergerichtlich?